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Leipzig: Wiedersehen mit einem Meisterwerk

Leipzig: Wiedersehen mit einem Meisterwerk

Uwe Scholz Choreografien zu Beethovens 7. und der 2. von Schumann wieder auf der Bühne

Die magische Kraft des sinfonischen Balletts wurde bei der Wiederaufnahme zweier Kreationen des legendären Choreografen Uwe Scholz an der Leipziger Oper lebendig. Anlass war sein tragisches Ableben vor 20 Jahren – mit nur 45 Jahren. Scholz, der von 1991 bis 2004 als Ballettdirektor und Chefchoreograf wirkte, führte den Tanz in Leipzig auf eine Höhe, die bis heute nur selten wieder erreicht wurde.

Von Moritz Jähnig

Ludwig van Beethoven „Siebente Symphonie“ getanzt vom Leipziger Ballett mit Yun Kyeong Lee (Mitte li) und Flavio Salamanka

„Scholz-Symphonien“ ist eine Neueinstudierung zweier Choreografien zu Beethovens Siebter Sinfonie, A-Dur, uraufgeführt 1991 und Schumanns Zweiter Sinfonie, C-Dur, 1990. Die Einstudierung übernahmen der heutige Ballettchef Rémy Fichet und Roser Muñoz. Beide haben unter Uwe Scholz getanzt.

Die für diese Scholz-Ehrung ausgewählten Werke waren seinerzeit Übernahmen aus Stuttgart bzw. Zürich. Wir erinnern uns, dass besonders Schumann anlässlich der Wiederauferstehung 1998 Fragen aufwarf, erhoffte und erwarteten sich doch Teile des Publikums eine Repertoirebereicherung durch eine exklusiv Leipziger Uraufführung, möglichst auf der Grundlage von Handlung.

Bewegung wird Klang: Die visuelle Sprache von Uwe Scholz

Uwe Scholz war ein Choreograf, der sinfonische Musik tänzerisch auf unvergleichliche Weise umsetzte. Selbst ein begabter Musiker, verstand er es, musikalische Strukturen mit tänzerischer Präzision zu visualisieren.

Seine künstlerische Handschrift zeigte sich auch in der Gestaltung von Kostümen, Licht und Bühnenbildern, die er selbst entwarf. Die Scholz-Bühne ist bewusst reduziert, um die Aufmerksamkeit ganz auf den in der Musik aufgehenden Menschen zu konzentrieren. Neben Tanz und Musik existiert nichts Ablenkendes.

Beide Werke zeichnen sich durch weite Bühnenräume aus, die mit Licht und wenigen Farbelementen subtil gestaltet werden.

Robert Schumann, „Zweite Symphonie“ mit Carl van Godtsenhoven, Diana van Godtsenhoven, Marcos Vinicius da Silva, Madoka Ishikawa v.l.

Das 38-köpfigen Corps de ballet trägt im ersten Teil helle körpernahe Trikots, nur mit einer Schärpe von links oder rechts verziert – unterschieden nach Frau und Mann. Für den sensibleren Schumann-Part ist die Truppe später türkis-blau gewandet – die Damen in kurzen, die Herren in langen Beinkleidern.

Im ersten Teil des Abends, Beethoven, ist der Tanz kraftvoll und temporeich. Immer wieder durchziehen artistischen Sprungfolgen blitzartig die Gruppenposen. Synchrone und zeitlich lang dauernde Hebungen fordern Körperkraft und Koordinierungsvermögen.

Die nach einer Pause folgende Choreografie zu Schumann ist nicht weniger virtuos, aber nicht mehr so tempobetont. Hier spielt Scholz choreografisch mit sich selbst. Man meint, er scherze über das Gebaren des Ballett-Genre.

Szene aus „Beethoven Siebte Sinfonie“ mit Soojeong Choi (li), Andrea Carino

Kraftarbeit und Spitzentanz

Zwei Werke an einem Abend zu zeigen, in denen die Herren Kraftarbeit leisten und die Damen größtenteils auf Spitze tanzen, ist eine konditionelle Herausforderung. Großer Applaus war der Dank.

Die bravouröse Wiederaufnahme wurde vom Gewandhausorchester unter der Leitung von Matthias Foremny begleitet, das mit klangschöner und feinnerviger Interpretation beeindruckte. Selbstredend bieten die Musiker eine klangschöne, durchsichtige und beiden nisten gerecht werdende, feinnervige Interpretation. Wobei in den Stimmen unterschiedlich, so im Holz, nach der Premiere noch weiter gearbeitet werden wird.

Insgesamt sind die „Scholz-Symphonien“ eine glanzvolle Hommage an einen der bedeutendsten Choreografen unserer Zeit, der Leipzig viel hinterlassen hat und ein Zeugnis der neuen Höchstform der Leipziger Company. Eine klare Empfehlung für jeden Tanzliebhaber.

Annotation

„Scholz Symphonien“. Zwei Ballette von Uwe Scholz, Musik von Ludwig van Beethoven (»Siebente Symphonie«) und Robert Schumann (»Zweite Symphonie«). Leipziger Ballett, Oper Leipzig. Musikalische Leitung Matthias Foremny / Yura Yang, Choreografie, Bühne, Kostüme: Uwe Scholz, Licht Michael Röger

Besetzung

2. Symphonie: Marcos Vinicius da Silva / Madoka Ishikawa / Carl van Godtsenhoven / Diana van Godtsenhoven / Andrea Carino / Soojeong Choi / Yun Kyeong Lee / Flavio Salamanka; Solopaar 1. Satz: Yun Kyeong Lee / Flavio Salamanka / Evandro Bossle / Madoka Ishikawa; Solopaar 2. Satz: Marcos Vinicius da Silva / Anna Jo / Carl van Godtsenhoven / Diana van Godtsenhoven, 2 Soli 3. Satz: Marcelino Libao / Alessandro Repellini / Marcelo Ferreira / Daniel Róces Gómez, Solopaar 3. Satz: Andrea Carino / Soojeong Choi, Solopaar 4. Satz: Andrea Carino / Soojeong Choi / Marcelino Libao / Diana van Godtsenhoven.

Leipziger Ballett, Gewandhausorchester

Premiere und besuchte Vorstellung 7.12.2024; veröffentlicht 9.12.2024

weitere Vorstellungen:

Sa 14.12.2024 | 19:00 mit Nachgespräch

Mi 18.12.2024 | 19:30

Di 31.12.2024 | 18:30

Mi 01.01.2025 | 17:00

So 05.01.2025 | 17:00

Credits

Text: Moritz Jähnig, freier Theaterkritiker, Leipzig

Fotos: Ida Zenna

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