Aktionstage vom 9. – 11. Mai mit eindrucksvollem Programm
Der rechtsterroristische NSU tötete zehn Menschen und blieb bis zur Selbstenttarnung 2011 unentdeckt. Über zehn Jahre tauchte das Kern-Trio des selbsternannten Nationalsozialistischen Untergrunds in Zwickau unter. Statt einer lückenlosen Aufklärung der Mordserie folgen in ganz Deutschland weitere rassistisch und antisemitisch motivierte Gewalttaten wie die Anschläge auf die Synagoge in Halle (2019) und auf die Arena Bar in Hanau (2020).

Als Teil des bundesweiten Netzwerks »Kein Schlussstrich!« setzt sich das Theater Plauen-Zwickau für das aktive und vielfältige Gedenken an die Opfer rassistischer Gewalttaten ein. Das theatrale und diskursive Programm der Aktionstage ZWICKAU: KEIN SCHLUSSSTRICH! 2025 legt den Fokus auf Erinnerungskultur will die kritische Auseinandersetzung mit Kontinuitäten rechter Gewalt in Zwickau verankern und vorantreiben.

Das Programm im Überblick:
AUSSTELLUNG: ZWICKAU UND DER NSU
Auseinandersetzung mit rechtsextremen Taten
Auf mehr als 35 Tafeln spannt die Ausstellung einen Bogen von Taten und Opfern, über den NSU als Komplex oder die rechtsstaatliche Aufarbeitung bis hin zur Gedenkarbeit in Zwickau. Thematisiert werden beispielsweise das Netzwerk der Rechtsterroristen, Rückzugsorte, der NSU-Prozess oder Zwickau in der medialen Wahrnehmung.
Konzipiert wurde die Ausstellung von Dr. Piotr Kocyba, Universität Leipzig und Dr. Ulf Bohmann, TU Chemnitz im Foyer des Gewandhauses Zwickau, ab 25. April vor und nach Veranstaltungen im Gewandhaus, zusätzliche Öffnungszeiten von 9. bis 11. Mai
www.theater-plauen-zwickau.de
GESPRÄCH: ZWICKAU UND DER NSU
Feierliche Eröffnung des Wochenendes ZWICKAU: KEIN SCHLUSSSTRICH! 2025
Am 4. April 2006 wurde Mehmet Kubaşık in seinem Dortmunder Kiosk vom NSU ermordet. Gamze Kubaşık, seine Tochter, ist politische Bildnerin und spricht bei der feierlichen Eröffnung mit weiteren Expert:innen über die zivilgesellschaftliche Auseinandersetzung mit rechtsextremen Taten. Sie loten aus, wo die Potenziale und Grenzen sozialwissenschaftlicher, künstlerischer und aktivistischer
Aufarbeitungsstrategien liegen. Eröffnet wird die Veranstaltung von einer digitalen Lecture Performance von Nuran David Calis, einem renommierten Dokumentartheatermacher und dem designierten Schauspieldirektor am Salzburger Landestheater, der sich in zahlreichen Regiearbeiten mit der Aufarbeitung des NSU-Komplexes auseinandersetzte.
Mit Dr. Piotr Kocyba, Gamze Kubaşık, Ali Şirin.
Freitag, 9. Mai, 17 Uhr, Robert-Schumann-Haus
GEGEN DEN STROM (UA)
Tanzabend mit Choreografien der Tanzcompany, Sergei Vanaev und Lóránd Zachár
»Gegen den Strom« schwimmen: etwas wagen, Neues entdecken, kreativ und innovativ sein – das ist das Thema dieses Tanzabends. Sergei Vanaev, hat mit Lóránd Zachár einen gefragten Ballettmeister und Choreografen eingeladen. Ein Novum wird außerdem sein,
dass Companymitglieder selbst choreografieren werden – Davide Gentilini, Minsu Kim, Stefano Neri und Junior Oliveira. Einige von ihnen sind schon bei internationalen Wettbewerben und Festivals zu Gast. Und brennen darauf, ihrer Fantasie und Kreativität freien Lauf zu lassen.
Freitag 9. Mai, 19.30 Uhr, Gewandhaus
ERINNERN HEIßT KÄMPFEN!
Vernetzungstreffen der bundesweiten Initiative »Kein Schlussstrich!«
Der NSU war nicht zu dritt. Rassistische Gewalttaten sind keine Einzelfälle. Wir schaffen einen geschützten Rahmen für Angehörige, Überlebende und Betroffene rechter Gewalt.
Wir laden ein, mit dem aktivistischen Netzwerk der Trägerinstitutionen von »Kein Schlussstrich!« in Austausch zu kommen. Wie kann Erinnerungsarbeit produktiv gemacht werden? Unter Mitwirkung von Gamze Kubaşık, politische Bildnerin, deren Vater Mehmet
Kubaşık vom NSU ermordet wurde und Ali Şirin, Sozialwissenschaftler und aktiv im Bündnis »Tag der Solidarität – Kein Schlussstrich Dortmund«.
Samstag, 10. Mai, 12-16 Uhr, Theaterkantine im Gewandhaus,
Eintritt frei! Nur mit Anmeldung unter luther@theater-pz.de.
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VOM RAND HER GEDENKEN
Gespräch über vergessliche Erinnerungskultur und Kontinuität rechter Gewalt im Osten
Der terroristische NSU-Komplex erwuchs aus fruchtbaren Böden. Woher kommt die rassistische Gewaltbereitschaft? Und welche Rolle spielt dabei eine gesamtdeutsche Erinnerungskultur, die randständige Stimmen und vermeintliche Minderheiten aus dem Blick verliert? Über noch nicht gehobene Potenziale weiblicher, jüdischer, migrantischer, Schwarzer und ostdeutscher Perspektiven sprechen Zeran Osman, Patrice Poutrus und Alexander Walther.
Samstag, 10. Mai, 16 Uhr, Foyer des Gewandhauses
Eintritt frei!
TRANSIT ZWICKAU (UA)
Nach Hause ist es weiter als zum Mond
Zwickau lässt sich als Erfolgsgeschichte erzählen. Textilindustrie, Berg- und Fahrzeugbau sind das industrielle Rückgrat der Region. Weltkriege und Staaten hat die Stadt Zwickau kommen und gehen sehen. Manche Kapitel dieser Geschichte finden jedoch kein Gehör
oder wurden gar nicht erst dokumentiert. Denn neben dem Im- und Export von Waren bringen die Jahrzehnte immer wieder neue Menschen aus aller Welt nach Zwickau: Nicht nur Baumwolle wurde einst importiert, sondern auch Menschen, ausgestellt und bestaunt in »Völkerschauen «. Im Dritten Reich produzierten Zwangsarbeiter in den Werken der Auto Union Militärfahrzeuge, die gegen ihre eigenen Völker eingesetzt wurden. Und angeworben von der DDR kamen ab 1967 Vertragsarbeiter:innen aus sozialistischen Bruderländern wie Mosambik und Vietnam, um den sozialistischen Arbeitskräftemangel zu bekämpfen. Manche sind längst in ihre Heimatländer zurückgekehrt, andere prägen die Region bis heute – allerdings oft vollkommen ungesehen von der Mehrheit einer geschlossenen Gesellschaft.
Diese Zwickauer Perspektiven aus über 150 Jahren Arbeitsmigration macht das Theater Plauen-Zwickau erlebbar: Das eigens entwickelte Schauspiel verbindet popmusikalische Elemente von Chor und Band mit einem vietnamesisch-mosambikanischen Tanzduo und einem spielfreudigen Schauspielensemble Zwickauer Bürger:innen. Musik, Recherchen und die persönlichen Erlebnisse von Zeitzeug:innen verschmelzen zu einer kraftvollen Dokumentation vielfältiger Zwickauer Identitäten.
Internationales Dokumentartheater im und am August Horch Museum
Samstag, 10. Mai, 18 Uhr
Freitag, 16. Mai, 18 Uhr
Sonntag, 18. Mai, 15 Uhr
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BANDA COMUNALE
Antifaschistische Blasmusik
Die vielköpfige Banda aus Dresden ist ein modernes Blasorchester. Mit Brass, Bass und Haltung bringt die Combo jedes Bein in Bewegung, auf Demos wie auf Festivals. Die Band vereint Musikstile aus allen Teilen der Welt und macht in Sachsen und ganz Deutschland
Stimmung. Stimmung für ein weltoffenes, demokratisches und vielfältiges Miteinander.
Samstag, 10. Mai, 20:30 Uhr, August Horch Museum Open Air
UNDER THE TREES / UNTER DEN BÄUMEN
Performative Gedenkenveranstaltung mit Schüler:innen des Peter-Breuer-Gymnasiums Zwickau, Texten von Jakob Springfeld und dem Theaterclub JUPZ! Young
Im Rahmen der Gedenkveranstaltung gestalten Schüler:innen eine eindrucksvolle Performance, die sich mit den Themen Erinnerung, Verantwortung und Widerstand
auseinandersetzt. Ihre eigenen Texte, ergänzt durch die Worte des Autors und Aktivisten Jakob Springfeld, geben den Opfern eine Stimme und setzen ein klares Zeichen gegen Rassismus und rechte Gewalt.
Sonntag 11. Mai, 15 Uhr, Gedenkbäume am Schwanenteich
Eintritt frei!
MITHU SANYAL: ANTICHRISTIE
Lesung aus dem gleichnamigen Roman und Gespräch mit der Autorin Mithu Sanyal
Die Bestsellerautorin Mithu Sanyal fragt in ihrem neuen Kriminalroman »Antichristie« nach dem Kolonialismus und der Gewalt in uns allen. Durga soll an einer Verfilmung der überbritischen Agatha-Christie-Krimis mitarbeiten. Doch auf einmal ist es 1906, und sie
trifft indische Revolutionäre, die keineswegs gewaltfrei wie Gandhi kämpfen. Und dann explodiert die erste Bombe. Was wäre richtiger Widerstand in einer falschen Welt?
Niemand schreibt so aberwitzig, klug und liebend wie Mithu Sanyal. »Antichristie« bringt die ganze Welt in die deutschsprachige Literatur.
Sonntag, 11. Mai, 16:30 Uhr, Café Clara, Innere Schneeberger Str. 17, 08056 Zwickau
Eintritt frei!
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AND NOW HANAU
Dokumentartheater von Tuğsal Moğul in der Regie von Werner Schretzmeier
Eine Schauspielproduktion des Theaterhauses Stuttgart
Am 19. Februar 2020 werden in fünf Minuten neun Menschen ermordet. Die Tat steht im Kontext einer ganzen Reihe rechtsterroristischer Übergriffe, Gewalttaten und Morde in den letzten Jahrzehnten. In Zusammenarbeit mit »Forensic Architecture/Forensis« hat das Theaterhaus Stuttgart das Recherchestück von Tuğsal Moğul auf die Bühne
gebracht. Die Inszenierung analysiert die Widersprüche, Pannen und Vertuschungen auf Seiten der Ermittlungs- und Sicherheitsbehörden während der Tatnacht sowie die bis heute ausbleibende Aufarbeitung. Fünf Schauspieler:innen verleihen den hinterbliebenen Vätern, Müttern und Geschwistern der Ermordeten am runden Tisch eine Stimme. Setzen Sie sich zu ihnen, hören Sie ihnen zu!
Sonntag 11. Mai, 18 Uhr, Gewandhaus Zwickau
Weitere Informationen
zum Netzwerk sowie Statements der Angehörigen der NSU-Mordopfer:
Hintergrund
Projektträger: ASA-FF e. V., Theater Chemnitz, Dietrich-Keuning-Haus Dortmund, Landestheater Eisenach, Kampnagel Hamburg, Theater Heilbronn, JenaKultur, Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft – Thüringer Dokumentations- und Forschungsstelle gegen Menschenfeindlichkeit (IDZ), Theaterhaus Jena, Staatstheater Kassel, Schauspiel Köln, Münchner Kammerspiele, Real München e. V., Staatstheater Nürnberg, Theater Plauen-Zwickau, Volkstheater Rostock, Theater Rudolstadt, Deutsches Nationaltheater Weimar; Say Their Names: Enver Şimşek, Abdurrahim Özüdoğru, Süleyman Taşköprü, Habil Kılıç, Mehmet Turgut, İsmail Yaşar, Halit Yozgat, Theodoros Boulgarides, Mehmet Kubaşık, Michèle Kiesewetter.
Quelle: PI Theater Plauen-Zwickau
veröffentlicht 3.5.2025
Kunst und Technik Das Onlinemagazin
