Staatsschauspiel Dresden stellt Spielzeit 2025/2026 vor
Am Donnerstag, dem 10. April 2025, stellten Intendant Joachim Klement, Chefdramaturg Jörg Bochow, Christiane Lehmann, Leiterin der Bürger:Bühne, Hausregisseurin Daniela Löffner sowie Charlotte Orti von Havranek, Künstlerische Leiterin des Festivals FAST FORWARD, das Programm der Spielzeit 2025/2026 vor.

Foto: © Sebastian Hoppe
Auf den Spielplan gelangen 20 Premieren, davon acht Uraufführungen. Ergänzt wird das Angebot durch die neuen Perspektiven einer jungen Generation, die das europäische Festival für junge Regie FAST FORWARD vom 13. bis 16. November 2025 nach Dresden einlädt.
Auf der Bühne des Schauspielhauses eröffnen wir die Spielzeit mit MEPHISTO nach Klaus Mann und erzählen die Geschichte von Karriere und Anpassung anhand der Figur des Hendrik Höfgens. Das Vorbild dieser Figur, der Schauspieler und Intendant Gustaf Gründgens, dient bis heute zur kontroversen Auseinandersetzung mit der Rolle prominenter Künstler*innen und ihrer Haltung vor, in und nach der NS-Diktatur. Unter ganz anderen Umständen spiegelt die Geschichte der großen Tänzerin und Pädagogin Gret Palucca die Auseinandersetzung mit politischen Machtstrukturen. In der gleichnamigen Uraufführung PALUCCA! widmet sich Rainald Grebe der Lebensgeschichte dieser bedeutenden Dresdner Künstlerin.
Mit der Uraufführung von DER KOMET von Durs Grünbein hat sich das Staatsschauspiel Dresden bereits in der vergangenen Spielzeit mit dem Erinnern in und um Dresden und seine Stadtgesellschaft beschäftigt. Für 2026 ist geplant, zu diesem Thema in einen Dialog mit der baskischen Stadt Bilbao zu treten. Um dieses internationale Projekt realisieren zu können, wurden Förderanträge gestellt. Mit der Uraufführung DIE KUNST DES ERINNERNS IM JAHRHUNDERT DER EINSAMKEIT wollen sich das Teatro Arriaga in Bilbao und das Staatsschauspiel Dresden der gemeinsamen Spurensuche in der Industrie- und Kulturgeschichte beider Städte widmen.
Volker Lösch inszeniert mit CANDIDE ODER DER OPTIMISMUS von Soeren Voima, der die groteske Irrfahrt von Voltaires Candide in eine fantastische Reise durch unsere heutige Welt überträgt, eine der bekanntesten satirischen Novellen.
Joachim Klement, Intendant des Staatsschauspiels Dresden:
„Im Programm des Staatsschauspiels Dresden für die kommende Spielzeit ist die Kunst des Erinnerns ein zentrales Thema. Heute, wo wir oft mit Unsicherheiten und Veränderungen konfrontiert sind, bietet uns das Erinnern die Möglichkeit, aus der Vergangenheit zu lernen und Visionen für eine lebenswerte Zukunft zu entwickeln. Erinnerungen sind nicht nur individuelle Erlebnisse, sondern kollektive Erfahrungen, die uns verbinden und prägen. Sie helfen uns, unsere Identität zu formen und die Herausforderungen der Gegenwart zu meistern. Und sie fordern uns auf, Haltung zu zeigen.
Trotz der aktuellen Herausforderungen und Einsparungen im Haushalt ist das Programm für die kommende Spielzeit ein eindrucksvolles Zeugnis für die Vitalität und Kreativität unseres Theaters. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, bei der Qualität und Vielfalt unserer Produktionen keine Abstriche zu machen.“
Zeitenwenden sind kein neues Phänomen. Seit der Antike hat es plötzliche Umbrüche gegeben, die Menschen dazu zwangen, ihr Verhalten neu zu bestimmen. Euripides’ DIE BAKCHEN zeigt den Einbruch eines neuen Kultes, einer neuen Ideologie in eine Stadtgesellschaft. Der Autor Thomas Melle überschreibt den antiken Mythos und bringt eine Vielzahl von Assoziationen in die Neufassung des Stücks ein.
Als moderne Klassiker finden sich u. a. Tennessee Williams’ ENDSTATION SEHNSUCHT (Regie: Laura Linnenbaum) und NORA von Henrik Ibsen (Regie: Tom Kühnel) im Spielplan. Als Sommertheater Open Air 2026 setzt Hausregisseurin Lily Sykes im Innenhof des Japanischen Palais’ DER TOLLE TAG ODER FIGAROS HOCHZEIT von Pierre-Augustin Caron de Beaumarchais in Szene. Hausregisseurin Daniela Löffner inszeniert DER TALENTIERTE MR. RIPLEY nach dem Roman von Patricia Highsmith im Schauspielhaus. Der prämierte Roman kreist um zwei Lebensthemen der Autorin: das Versteckspiel um die eigene Identität und die Natur des Bösen.
Mit Witz und Sensibilität erzählt Raphaela Bardutzky in FISCHER FRITZ (Regie: Damian Popp) von den Herausforderungen des Altwerdens, von Care-Arbeit, Generationskonflikten und den vielfältigen Möglichkeiten, miteinander ins Gespräch zu kommen, wenn sich Sprachen, Dialekte und Lebenswege unterscheiden. In einem unerhört heißen Zürcher Sommer beginnt Kim de l’Horizons Protagonist*in sich in BLUTBUCH an die eigene Biografie heranzuschreiben: Während sich die Erinnerung der Großmutter in Demenz auflöst, macht sich das lyrische Ich in einer furiosen Gegenbewegung daran, die in der Familiengeschichte klaffenden Lücken zu füllen. Regisseur und Ensemblemitglied Simon Werdelis bringt den Roman im Kleinen Haus 1 auf die Bühne. Sibylle Bergs Antiheld*in ist in TOTO ODER VIELEN DANK FÜR DAS LEBEN frei von Ironie oder Traurigkeit. Wie eine Gottheit, die niemand verehrt, reist sie durch die Geschichte, wechselt Systeme und Geschlechter (Regie: Sophie Y. Albrecht). Erstmals am Staatsschauspiel Dresden inszeniert Marcel Kohler HOMO FABER nach dem Roman von Max Frisch, und Christina Rast führt Regie bei TARAS AUGEN nach dem Roman von Katharina Bendixen.
Mit vier Uraufführungen ist die Bürger:Bühne unter der Leitung von Christiane Lehmann auf den Bühnen des Kleinen Hauses vertreten, mit MARIA STUART frei nach Friedrich Schiller (Regie: Katharina Bill), HAUTNAH ENTFERNT, einer Bewegungsrecherche in Kooperation mit farbwerk e. V., KRITISCHER ZUSTAND, einem Gesundheitscheck mit Dresdner Klinikmitarbeiter*innen von Jonas Egloff und Emily Magorrian sowie FEIERABEND FOREVER, einer märchenhaften Kapitalismuskritik mit feiernden Dresdner*innen (Christiane Lehmann).
Zudem ist auch in der nächsten Spielzeit das Montagscafé der Bürger:Bühne ein zentraler Ort für das Ankommen in der Stadt und bietet jeden Montag kostenlos mit Programmen einen Begegnungsort der Stadtgesellschaft. Darüber hinaus wird es mit dem mobilen Projekt NU KIOSK auch in weiteren Stadtteilen Dresdens aktiv. Finanziert werden konnte dies durch einen Förderantrag des BAMF, dem Bundesprogramm Gesellschaftlicher Zusammenhalt des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge.
In der Vorweihnachtszeit erlebt RONJA RÄUBERTOCHTER nach Astrid Lindgrens Roman als Familienstück seine Premiere (Regie: Jan Gehler). Lindgrens herzerwärmende Geschichte um die starke und selbständige Räubertochter und ihren Freund Birk zeigt, wie wichtig Freundschaft, Mut, Respekt und eigenständige Entscheidungen sind. Unterstützt wird die Produktion von unserem Projektpartner Ostsächsische Sparkasse Dresden.
Fortgesetzt werden ebenfalls die jüngste Kooperation mit dem Ballett der Semperoper, die mit PARTS AND PIECES von Kinsun Chan wieder zeitgenössisches Tanztheater auf die Bühne des Kleinen Hauses bringt. Aber auch die Zusammenarbeit mit der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden und der Hochschule für Bildende Künste Dresden geht weiter, die mit einer eigenen Fassung von DAS SCHLAUE FÜCHSLEIN die betörende Schönheit Janáčeks Musik zum Klingen bringen.
Creditis
Quelle: PM Staatsschauspiel Dresden vom 10.4.2025
veröffentlicht 10.4.2025
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