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Ehrenmitgliedschaft entzogen

Ehrenmitgliedschaft entzogen

Entscheidung am Staatsschauspiel Dresden

Die Geschäftsführung des Staatsschauspiel Dresden ist Mitte Februar 2023 durch den Wikipedia-Autor Thomas Koschütz auf einen Artikel aufmerksam gemacht worden, der nahelegt, dass Reinhold Bauer im Jahr 1934 „unter Zustimmung des Ministeriums und des Verwaltungsrates“ (Dresdner Nachrichten 02.12.1934) „Ehrenmitglied der Sächsischen Staatstheater“ geworden ist, weil Bauer Initiator der NSDAP-Theaterfachgruppe in Dresden war, die 1933 u. a. für die Entlassung von Generalmusikdirektor Fritz Busch sorgte. Prüfung und Recherchen durch das Historische Archiv der Sächsischen Staatstheater bestätigen dies. Neben der o. g. Berichterstattung in den Dresdner Nachrichten kann die Angabe unter anderem durch eine weitere Quelle in Der Freiheitskampf, 02.12.1934, S. 5. belegt werden.

Zusammenfassend konnte das Historische Archiv folgende Informationen recherchieren:

„Der ausgebildete Ingenieur wechselte mit Berufung auf seinen Urgroßvater Friedrich Burmeister, Kgl. Hofschauspieler am Dresdner Schauspiel von 1811 – 1851, im Jahr 1898 zum Schauspiel und wurde nach zahlreichen Engagements (u. a. in Stuttgart, München) 1925 Ensemblemitglied des Staatsschauspiels Dresden.

Während seiner Münchner Zeit hatte Reinhold Bauer durch Dietrich Eckart ersten Kontakt mit nationalsozialistischem Gedankengut. Es folgte ab 1922 eine aktive NSDAP-Parteimitgliedschaft, die sich in der Mitbegründung der Theaterfachgruppe der NSDAP an den Sächsischen Staatstheatern 1930 niederschlug. Diese theaterinterne Vereinigung setzte sich zum Ziel, die Staatstheater von der „Beherrschung durch Fremdrassige“ zu befreien. In Folge der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Januar 1933 schritt die Theaterfachgruppe zur Tat: Am 7. März 1933 wurde durch die Führungsriege die Opernhausbühne besetzt und die Leitung der Staatstheater für abgesetzt erklärt. Paul Adolph, ehemaliger Regierungsrat, wurde zum Generalintendanten berufen.

Im Rahmen der Feierlichkeiten des 4. Jahrestages der Gründung der Theaterfachgruppe am 1. Dezember 1934 wurde Reinhold Bauer für die Mitbegründung der Theaterfachgruppe sowie für die Verbreitung nationalsozialistischer Ideen zum Ehrenmitglied der Sächsischen Staatstheater ernannt. Die Ehrenurkunde, ausgestellt vom Minister für Volksbildung, Wilhelm Hartnacke, unter Zustimmung des Verwaltungsrates überreichte der Generalintendant Paul Adolph an Reinhold Bauer.“

Nach Feststellung dieses Sachverhalts durch das Historische Archiv der Sächsischen Staatstheater hat sich die Geschäftsführung des Staatsschauspiel Dresden entschieden, Reinhold Bauer die Ehrenmitgliedschaft der Sächsischen Staatstheater zu entziehen. „Das war für uns eine zwingende und selbstverständliche Konsequenz. 78 Jahre nach dem Ende der Herrschaft der Nationalsozialisten wollen wir das unrühmliche und menschenverachtende Verhalten von Reinhold Bauer hier nicht mehr länger gewürdigt sehen“, so Joachim Klement, Intendant des Staatsschauspiel Dresden.

Credits

Text: Pressemeldung Staatsschauspiel Dresden v.30.05.2023

Foto: Kigoo Images / pixelio.de

veröffentlicht: 30.05.2023

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