Erfolgreiche Musical-Premiere „Dracula“ am Mittelsächsischem Theater
Spurensuche. Auf solche hat man sich derzeitig am Mittelsächsischen Theater begeben. Dies natürlich mit der Ikone des Vampirismus, Graf Dracula, und in einer besonderen, dafür bestens geeigneten Spielstätte: der gegenüber dem Theaterhaus gelegenen Nikolaikirche.
Von Frieder Krause

Mystik in besonderer Spielstätte
Intendant Sergio Raonic Lukovic hat in seiner Inszenierung Bram Stokers Roman in der Musicalfassung nach Don Black (Buch) und Christopher Hampton (Gesangstexte) und natürlich der Musik Frank Wildhorns effektvoll und dennoch behutsam ohne Blutrünstigkeit umgesetzt. Er kann dabei bestens den Kirchenraum mit seinem barocken Hochaltar und die Kanzel ausnutzen, dazu das Bühnenbild Lena Weidhards mit dem prägenden Holzpflock und die Möglichkeiten der heutigen Videotechnik. So wird die mystische Geschichte rund um den Blutaustausch mit ihren Sehnsüchten nach Untotsein, Verjüngung, geistigem Austausch mittels Hypnose, Begehren, Liebe und schließlich nach ewigem Leben gut nachvollziehbar.
Starke Besetzung und musikalische Qualität
Lukovic hat dafür gute Partner: das weitgehend hauseigene starke Ensemble mit seinem Chor, dem Extrachor sowie allen Solisten. Ein großer Trumpf dieses Musicalabends: die Mittelsächsische Philharmonie unter dem klugen Dirigat Bennet Eickes (ein hoffnungsvoller Nachwuchsdirigent) findet genau den richtigen Drive für Wildhorns rockige Klänge. Positiv sei hier auch die tontechnische Auslotung des Klangerlebnisses erwähnt. Die Darbietung des Ganzen wird noch gewürzt durch eine vielschichtige Choreografie (Romeo Y. Salazar) mit ihrer klugen Ausnutzung aller Spielflächen.
Starke Solisten und begeistertes Publikum
Zu den Solisten: Alexander Donesch bringt schon allein figürlich die charismatische Ausstrahlung für die Titelpartie mit. Dazu kommt seine ideale Musicalstimme mit guter Textverständlichkeit. Auf solches kann auch Angus Simmons als Jonathan Harker setzen, glaubhaft sein Ringen um Mina.

Anna Burger (Mina Murray)
Wie ihre männlichen Kollegen punkten auch Anna Burger als Mina und Michaela Bär als Lucy mit Glaubhaftigkeit ihrer Gefühle, gewürzt mit schönen Musicalstimmen. Bär zeichnet sich zudem mit bester Textverständlichkeit aus.

Eine beeindruckende Charakterstudie eines Verirrten steuert Chris Green als Renfield bei. Das Quartett im Kampf gegen Dracula wird charismatisch von Yannik Graf als Professor Helsing angeführt. Ihn unterstützen Sebastian Schlicht als Psychiater Dr. Seward, Juhyuk Kim als Quincey Morris und Frank Blees als Arthur Holmwood mit dem Fundus seiner vielfältigsten Rollengestaltungen.
Naturgemäß endete der Abend verdientermaßen mit viel Jubel und Standing Ovations. Aktuell ist eine Aufführungsserie bis Ende März vorgesehen. Das Mittelsächsische Theater wäre gut beraten, eine zweite zu planen.
Annotation
„Dracula“. Musical von Frank Wildhorn, nach dem Roman von Bram Stoker, Buch und Gesangstexte von Don Black und Christopher Hampton. Regie: Sergio Raoniis Lukovic, Musikalische Leitung: Bennet Eicke, Ausstattung: Lena Weikhard, Choreographie: Romeo Y. Salazar, Choreinstudierung: Pawel Serafin, Dramaturgie: Catharina Jacobi, Lictdesign: John Gilmore, Videodesign: Ahmad Shalavy, Ton: Thomas Fiedler, Nic Hermann, Video: Christian Morgenstern
Besetzung
Graf Dracula: Alexander Donesch, Jonathan Harker: Angus Simmons, Mina Murray: Anna Burger, Lucy Westenra: Michaela Bär, Professor Abraham van Helsing: Yannik Gräf, Renfield: Chris Green, Dr. Jack Seward: Sebastian Schlicht, Quincey Morris: Juhyuk Kim, Arthur Holmwood: Frank Blees Vampirinnen: Lara Gloria Graf, Maianna Ntinuo, Suzan Wei, Shirin Ludwig, Fanny Semler, Mira Zieger; Chor des Mittelsächsischen Theaters, Extrachor, Mittelsächsische Philharmonie
Besuchte Vorstellung:Premiere am 15.03.2025, Nikolaikirche Freiberg; veröffentlicht 18.03.2025
Credits
Text: Frieder Krause, freier Theaterkritiker, Gera, Altenburg
Fotos: (c) Mittelsächsisches Theater
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