Festival eXoplanet #1 vom 9. und 11. Mai 2025 „Hysterie in der Peripherie“ – Tage für neues Musiktheater Sachsen-Anhalt
Die erste Ausgabe des Festivals „eXoplanet“ eröffnet vom 9. bis zum 11. Mai 2025 ein noch unerforschtes Universum für Neues Musiktheater in Mitteldeutschland. Damit wird das Theater Magdeburg das eigene theatrale Sonnensystem verlassen, in bisher verborgene theatrale Galaxien vordringen und die dort befindlichen Exoplaneten entdecken. Zu diesen Exoplaneten zählen performative, musikdramatische Formate, die eingefahrene Seh- und Hörgewohnheiten hinter sich lassen. Ein Leuchtfeuer in diesem innovativen Musiktheateruniversum ist die Uraufführung der Performance-Installation „Industrial Mechthild“.

Zum Programm
Freitag, 9.Mai – erster Tag
Am Freitag, 9. Mai, wird das Festival „eXoplanet“ mit der Uraufführung „Industrial Mechthild“ auf dem ehemaligen Schwermaschinenbau-Gelände in Magdeburg-Buckau eröffnet. Das Regie-Performance-Duo, Kris Kuldkepp und Lisa Pottstock, gewann den zuvor vom Theater Magdeburg ausgeschriebenen Festival-Wettbewerb für innovative Musiktheaterprojekte. Zusammen mit einem achtköpfigen Bürger:innenchor bespielen sie das verlassene Industrieobjekt und nutzen dabei zwei Arten der Klangproduktion: das Murmeln und das akustische Feedback, ein Phänomen aus der elektronischen Musik.
Es folgt am Freitagabend eine elektrisierende Musical-Show in den Gruson Gewächshäusern, die den schrillen Countertenor Klaus Nomi feiert. In den 1980er Jahren sprengte Klaus Nomi alle Genregrenzen zwischen Pop, Dada, Space Opera und Performance und wird nun vom „extravaganten transgressiven Tenor“ TIMUR verkörpert.
Sonnabend, 10. Mai – zweiter Festivaltag
Am Sonnabend, 10. Mai, beginnt der zweite Festivaltag mit einer dialogischen Lesung zur Figur der Penelope. Anschließend ist die neue, feministische Perspektive der US-amerikanische Komponistin Sarah Kirkland Snider in ihrer elektroakustischen Kammeroper „Penelope“ im Schauspielhaus zu hören.
Im Klosterbergegarten hinter dem Magdeburger Gesellschaftshaus startet das Oper*etten-Mobil des bizarren Reiseunternehmens „Tutti in Campagna“ Richtung Dolce Vita. Das Berliner Kollektiv tutti d*amore befreit mit seiner Wander-Operette das vermeintlich verstaubte Genre von seinem unzeitgemäßen Ruf. In der musiktheatralischen Sommerreise geht es um Fernweh und Heimweh, um das ganz große Glück und wo es zu finden ist.
Im Opernhaus wird am Samstagabend die Welt von „Salome“ auf den – abgetrennten – Kopf gestellt. Die nur wenige Wochen zuvor in Magdeburg uraufgeführte Oper des Komponisten Gerald Barry transportiert die Figur der Salome ironisch und humorvoll in unsere von Gewalt und schockierenden Bildern geprägte Gegenwart. In einem Tik-Tok-ähnlichen Run-Through wird das Publikum in einen (Alp-) Traum verwickelt. Zwischen babylonischem Sprachengewitter und kunstphilosophischen Tiraden entsteht ein neuer, erfrischend widerspruchsvoller Blick auf den Klassiker.
Im Kunstmuseum gleitet das Publikum mit „Dream Machine“ in die Samstagnacht. Vor dem Museum steht eine Telefonzelle, die die Besucher:innen dazu einlädt, persönliche Traumerinnerungen, Wünsche und Sehnsüchte als Sprachnachricht zu hinterlassen. Diese Botschaften werden Teil eines stetig wachsenden Stimmenarchivs, das später in Musik umgewandelt wird. Aus diesen Stimmen entwerfen drei Musiker und eine Schauspielerin ein musikalisches Versuchsfeld. In einer vielstimmigen Komposition werden die Grenzen zwischen Traum und Realität, zwischen Gesang und Spoken Word, Electro und Jazz aufgelöst. Im Anschluss feiert das Festivalpublikum mit einer Party im Kunstmuseum durch die Nacht.
Sonntag, 11. Mai – dritter Festivaltag
Am Sonntag besteht ein zweites und letztes Mal die Chance die Performance-Installation „Industrial Mechthild“ auf dem ehemaligen SKET-Gelände und die Wander-Operette „Tutti in Campagna“ diesmal an der Schweizer Milchkuranstalt zu erleben.
| Datum | Programmpunkte | Ort |
| Freitag, 9.5.25 | 18 Uhr Uraufführung Performance-Installation „Industrial Mechthild“ 21 Uhr Kosmische Musical-Show „Klaus from Space“ | Ehemaliges SKET-Gelände Gruson Gewächshäuser |
| Samstag, 10.5.25 | 14 Uhr Die Kunst der Schwerelosigkeit Dialogische Lesung zu „Penelope“ 15 Uhr Kammeroper „Penelope“ 17 Uhr Wanderoperette „Tutti in Campagna“ 19.30 Uhr Oper „Salome“ 21.30 Uhr Konzert-Performance „Dream Machine“ Ab 23 Uhr Party | Schauspielhaus, Kasino Schauspielhaus, K2 Klosterberge Garten Opernhaus Kunstmuseum Kunstmuseum |
| Sonntag, 11.5.25 | 15 Uhr Performance-Installation „Industrial Mechthild“ 18 Uhr Wanderoperette „Tutti in Campagna“ | Ehemaliges SKET-Gelände Schweizer Milchkuranstalt |
Zu Stücken und Inhalten
Dream Machine
Konzert-Performance von Anke Retzlaff
„Dream Machine“ besteht aus zwei Teilen: In einer Telefonzelle, die draußen vor dem Museum steht, werden Besucher*innen eingeladen ihre Träume, Ängste, und Sehnsüchte als Audiobotschaften einzusprechen. Angereichert durch Texte der Autorin Matin Soofipour Omam und mit Stimmen aus aller Welt entwickeln drei Musiker und eine Schauspielerin in der anschließenden Konzert-Performance aus dem gesammelten Material eine vielstimmige Komposition, die quer durch das Unbewusste führt.
Industrial Mechthild
Performance-Installation von Lisa Pottstock & Kris Kuldkepp
Uraufführung
Die Performance „Industrial Mechthild“ der Künstlerinnen Kris Kuldkepp & Lisa Pottstock in Zusammenarbeit mit dem achtköpfigen Bürger:innenChor aus Magdeburg begibt sich auf eine seismografische Spurensuche durch die Ruinen des ehemaligen Schwermaschinenbau-Kombinats „Ernst Thälmann“ in Magdeburg. Vergessene Dinge werden hier in erinnernde Schwingungen versetzt, die Vergangenheit klanglich durchdrungen, und die Suche nach einer besseren Zukunft durch Vokal-Praktiken des Mittelalters neu eingeübt. Die Uraufführung der Stückentwicklung ist eine Kooperation mit dem Festival KlangART Vision.
Klaus Nomi
Kosmische Musical-Show von Timur
Nicht nur David Bowie war von ihm beeindruckt: Der schrille Countertenor Klaus Nomi sprengte in den 1980er Jahren zwischen Pop, Dada, Space Opera und Performance alle Genregrenzen. Weiß geschminkt, mit schwarzen Lippen galt er durch seine Bühnenshows im retro-futuristischen Science-Fiction-Stil bald als legendär. Der „extravagante transgressive Tenor“ TIMUR mit seiner „stratosphärischen Stimme“ (Los Angeles Times) belebt den verstorbenen Ausnahmekünstler Klaus Nomi wieder und rettet in dieser elektrisierenden Musical-Show als Klaus from Space mal eben nicht weniger als die gesamte Menschheit.
Die Kunst der Schwerelosigkeit
Eine dialogische Lesung zu „Penelope“
Wie lässt sich inmitten sogenannter Polykrisen die alte Frage beantworten: Was tun? Können wir aus der Geschichte lernen? Wie schaffen wir es, angesichts von Rechtsruck und sozialer Ungleichheit, Krieg und Klimawandel nicht zu verzweifeln? Wo finden wir neue Strategien und neue Vorbilder? Ausgehend von Nietzsches Begriff der Ewigen Wiederkunft kreist diese Lesung wie ein Satellit um die Figur der Penelope – und fragt nach dem Potenzial der Wiederholung, dem Widerstand im Warten und einer Utopie jenseits männlicher Heldengeschichte.
Penelope
Kammeroper von Sarah Kirkland Snider
Die Komponistin Sarah Kirkland Snider wurde von der Washington Post zu einer der „Top 35 Komponistinnen in der klassischen Musik“ ernannt. Das Theater Magdeburg zählt zu den ersten Theatern in Deutschland, die ihre elektroakustische Kammeroper „Penelope“ inszenieren. In dieser erzählt sie die Geschichte des Homerschen Helden Odysseus aus der Perspektive seiner Frau Penelope und verbindet den mythischen Stoff mit zeitgenössischen Fragen über Krieg, Trauma, Identität und Erinnerung.

Salome
Oper von Gerald Barry
Mit der Magdeburger Uraufführung „Salome“ setzen Komponist Gerald Barry und Generalintendant Julien Chavaz ihre langjährige und erfolgreiche Zusammenarbeit fort. In einem Tik-Tok-ähnlichen Run-Through wird das Publikum in einen (Alp-) Traum verwickelt. Zwischen babylonischem Sprachengewitter und kunstphilosophischen Tiraden entsteht ein neuer, erfrischend widerspruchsvoller Blick auf den Klassiker. Barry transportiert die Figur der Salome in unsere von Gewalt und schockierenden Bildern geprägte Gegenwart, indem er sie grotesk überzeichnet. Er kehrt die altbekannte Geschichte ironisch und humorvoll um in eine zeitgenössische Parodie auf Kunstverständnis und bürgerliche Moral.
Tutti in Campagna
Mit dem Oper*etten-Mobil durch Italien Sachsen-Anhalt! – Wanderoperette von tutti d*amore
Herbert, Fernando und Veronika teilen nichts als das separierte Überleben in Berlin. Und sie sind alle irgendwie müde: sozialmüde, alltagsmüde, lebensmüde. Und da gibt es noch etwas Gemeinsames: ein Busticket des bizarren Reiseunternehmens TUTTI IN CAMPAGNA, das die verlorenen Großstadt-Existenzen nach „Bella Italia”, dem Land ihrer Träume, zu bringen verspricht. Denn für die hohe Kunst der Seelenheilung muss man weit weg von hier. Das geht nicht mal so eben um die Ecke in Brandenburg. Oder etwa doch?
In tutti d*amores musiktheatralischer Sommerreise quer durch die Pampa geht es um Fernweh und Heimweh, um das ganz große Glück und wo wir es finden: Nämlich wider Erwarten vor der eigenen Haustür.
Weitere Informationen
https://www.theater-magdeburg.de/inszenierungen/musiktheater/sz-20242025/premiere-2425/exoplanet-1/
Credits
Quelle: Pressemitteilung des Theaters Magdeburg, 25.3.2025
veröffentlicht 8.5.2025
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