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Leipzig: Uff. Anstrengend.
Sweet Rodeo by Manuel Roque with Nils Levazeux (Montréal)

Leipzig: Uff. Anstrengend.

36. euro-scene Leipzig

„Sweet Rodeo“ von Manuel Roque (Montréal)

Schon vom Zuschauen meldet sich der Schollenmuskel, und dem Musculus gluteus maximus möchte man hinterher eine Entschuldigung schreiben. Manuel Roque und Nils Levazeux behandeln diese wunderbar konstruierten Körperpartien, denen wir unsere Mobilität verdanken, wie andere ihr Konto: bis zum Anschlag. Die beiden sind ein wichtiger Teil des Kanada/Québec-Schwerpunkts der euro-scene 2026 und zeigten noch vor der eigentlichen Eröffnung die Welturaufführung eines neuen Stücks.

Von Moritz Jähnig

Die kanadischen Tänzer Nils Levazeux und Manuel Roque (v.l.) Foto: (c) David-Emmanuel Jauniaux

Intimes Rodeo

„Sweet Rodeo“ von Manuel Roque (Montréal) heißt auf Deutsch, wenig erhellend, „süßes Rodeo“, und es ist ein sehr intimes Stück, in dem zwei Künstler ungewöhnliche Nähe zulassen. Schon zur euro-scene 2025 hatte Roque mit „Bang Bang“ und „Le vent se lève“ in Leipzig gastiert, und wir bestaunten damals seine große Ausstrahlung und Körperbeherrschung. Fünfzig Minuten führte er sich an die Grenzen des Leistbaren. Wir lasen das als Bild eines exzessiven männlichen Leistungswillens, eines Leistungsbedürfnisses und -vermögens.

„Bang Bang“, rund zehn Jahre alt, wirkt auch wie eine Warnung vor dem Sog des Immer-weiter und Immer-mehr. Das Stück fordert Bewunderung für körperliche Leistung heraus, vor der sich der „Normalo“ tief verbeugt.

Sweet Rodeo by Manuel Roque with Nils Levazeux (Montréal) Foto: (c) Ilona Deutz

Zwei Planeten, kein Zusammenstoß

In diesem Festivaljahrgang folgt nun die Fortsetzung. Manuel Roque, ehemals Mitglied der Compagnie Marie Chouinard und weltweit hoch dekoriert, steht künstlerisch an der Spitze und führt körperliche Spitzenleistung vor. Auf der leeren, hellen Bühne, bei brennendem Saallicht, beginnen die beiden Tänzer in dunkler Sportkleidung und festen schwarzen Schuhen zu tanzen, vollkommen synchron, anfangs wie beiläufig. Sie verlieren sich keinen Moment aus den Augen und kreisen umeinander wie zwei Planeten auf konzentrischen Bahnen. Sie sind nicht eins: Levazeux trägt schwarze Turnhosen, Roque ein kurzes Röckchen. Sie bleiben zwei. Sie werden nicht kollidieren, sich aber auch nicht erreichen. Vereint sind sie nur im ewig gleichen Wiederholen derselben Bewegung.

Wenn die Tugend bricht

Nach 25 Minuten wird das Bühnenlicht dunkler und ein unangenehmer Ton brummt auf. Allmählich schwillt er an. Was anfangs makellos und natürlich wirkt, bekommt Risse, je länger und extremer die Bewegungen werden. Die Virtuosität, wörtlich die „Tüchtigkeit“, die Tugend des Könnens, wird gerade dort untergraben, wo Schwäche und aufkommende Erschöpfung sichtbar werden. Die „Tugend“ des Körpers bricht auf. Man möchte dem rasenden Miteinander weiter folgen und ängstig sich zugleich.

„Seet Rodeo“ ist ein ungeheuer schönes und wahres Bild für männliche Beziehungen an sich. In einer Zeit, in der als ungehörig gilt, dem Wort männlich, das Wort toxisch beizugeben, sind solche aus der männlichen Erfahrungswelt gewordenen Selbstbetrachtungen aus Gründen des inneren Zusammenhalts wichtig.

Sweet Rodeo by Manuel Roque with Nils Levazeux Foto: (c) Ilona Deutz

weitere Vorstellungen

4.11. 17.30 Uhr | 6.11., 17,30 Uhr | 7.11., 17.30 Uhr

Diskothek Schauspiel Leipzig

Annotation

“Sweet Rodeo” Tanzstück von Manuel Roque (Montréal), Uraufführung. Choreografie Manuel Roque Tanz Nils Levazeux, Manuel Roque Zweite Besetzung Marine Rixhon Kostüme + Raum Marilène Bastien Lichtdesign Hugo Dalphond Musik Manuel Roque  Sound Jean Gaudreau Künstlerische Beratung + Dramaturgie Sophie Michaud, Lucie Vigneault Tourmanagement + Produktionsentwicklung Marie-Andrée Gougeon (DLD), Marta Oliveres  Gastspielförderung Conseil des arts et des lettres du Québec (CALQ), Vertretung der Regierung von Québec in Berlin Kreation euro-scene Leipzig, 3. November 2026 

Produktion Compagnie Manuel Roque Koproduktion euro-scene Leipzig, Festival TransAmériques (FTA) Förderung Conseil des arts et des lettres du Québec (CALQ), Conseil des arts de Montréal (CAM), Conseil des arts du Canada (CAC) Unterstützung Residenz bei Circuit-Est centre chorégraphique gefördert von La danse sur les routes du Québec und Conseil des arts de Montréal

Credits

besuchte Vorstellung Uraufführung am 3.11.2026; veröffentlicht 4.11.2026

Text: Moritz Jähnig, freier Theaterkritiker, Leipzig

Comment directly to: h.jaehnig(et)moritzpress. de

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