Benefizkonzert der Bundeswehr bot ein abwechslungsreiches und unterhaltsames Programm
Zum 27. Mal lud die Bundeswehr im letzten Quartal des Jahres zum Benefizkonzert ins Gewandhaus Leipzig. Der große Saal war gut besucht, wenn auch nicht ausverkauft. Im Mittelpunkt dieser Konzerte steht vor allem der gute Zweck, für den alljährlich überwiegend die im mitteldeutschen Raum stationierten Musikkorps musizieren. In diesem Jahr warb das Luftwaffenmusikkorps Erfurt erfolgreich um Spenden, die eins zu eins dem Kinderschutz-Zentrum Leipzig zugutekommen.
Von Moritz Jähnig
Ein Konzert mit Geschichte
Der gesellschaftliche Kontext und die militärische Lage waren zu Beginn der Tradition grundlegend andere. Am 24. März 1999 begann die NATO ohne UN-Mandat Luftangriffe gegen Jugoslawien, um die Gewalt gegen die albanische Bevölkerung im Kosovo zu beenden. Deutschland beteiligte sich mit Tornado-Flugzeugen, es war der erste Kampfeinsatz der Bundeswehr seit dem Zweiten Weltkrieg. Wer diese Zeit vor Augen hat, nimmt ein solches Konzert auch als Gelegenheit wahr, über Zeitläufe, gesellschaftliche Lage und persönliche Haltungen nachzudenken.
Spitfire, Hummelflug und große Spielfreude
Das Luftwaffenmusikkorps Erfurt spielte unter der Leitung von Oberstleutnant Christian Prchal ein Programm mit hohem Unterhaltungswert, immer auf die Luftfahrt bezogen. Die Stücke waren so ausgewählt, um im Spätherbst kleine Genusshäppchen zur Aufmunterung zu bieten. Der Dirigent moderierte sie selbst.
Zur Einstimmung im ersten Teil erklang „Spitfire. Prelude und Fuge“ von William Walton, wofür das Orchester großen Beifall erhielt. Die Spitfire war ein ikonisches Jagdflugzeug der Royal Air Force und gilt als Symbol des britischen Widerstands gegen den deutschen Luftangriff. Sie begegnet dem Zuschauer zuverlässig in zahlreichen Filmen über den Zweiten Weltkrieg, zuletzt m.W. etwa in „Spitfire Over Berlin“ (2022). Walton, der sehr viel mit jüdischen Künstlern zusammenarbeitete, schrieb seine Musik 1942 für den Film „The First of the Few“.
Den Spaßfaktor dieses Musikgenres unterstrich der Auftritt von zwei tanzenden Xylophonen im „Hummelflug“ von Nikolai Rimski-Korsakow. Die Komposition, die zu Recht nahezu zeitlosen Rang beanspruchen darf, ist ursprünglich ein Orchesterzwischenspiel in der 1900 in Moskau uraufgeführten Oper „Das Märchen vom Zaren Saltan“.
Die am Augustusplatz zu Gehör gebrachte Fassung zusammen mit der „Swingair Bumble Bee“ kam mit ihren rasenden Chromatikläufen, die im Original vor allem bei den Streichern und Holzbläsern liegen, den Intentionen des Komponisten sehr nahe. Schnelles Schlagen und Tremolieren sowie ein virtuoses Bläsertrio stehen für das Summen der Hummel. Die flott kreisenden Instrumente weckten zusätzlich Assoziationen an das ausgelassene Spiel der Balalaika, das zu den Klischeebildern russischer Bühnenkunst gehört.
Dank gilt dem Ensemble für den musikalischen Abend, den Veranstaltern für die Spendenaktion und dem Publikum für seine große Spendenbereitschaft.
Credits:
Konzert vom 26.10.2026; veröffentlicht 27.10.2026
Text: Moritz Jähnig, freier Theaterkritiker, Leipzig
Foto: (c) Gewandhaus_JENSGERBER
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