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RECYCLINGART – Zu den Collagen von Lutz Hirschmann

RECYCLINGART

Zu den Collagen von Lutz Hirschmann

Den Stoff sieht jedermann vor sich, den Gehalt findet nur der, der etwas dazu zu tun hat, und die Form ist ein Geheimnis den meisten. (J. W. Goethe)*

Von Susanne Werdin

Den Stoff sieht jedermann vor sich:
Illustrierte. Traumbilder aus Zellulose, flach, vielfarbig, glänzend, leicht, tausendfach. Erhältlich. Entbehrlich. „Es geht ja darum, mit dem Vorhandenen zu arbeiten“ sagt Lutz Hirschmann und schneidet ins Fleisch der Werbung. Mit der Schere formuliert er, was vor der Hand liegt, neu. Er verwirft das Leichte und erhält, was er braucht.

„Um etwas zu erhalten, muss man es verändern“ sagt er und löst sauber Form von Leerform, Hintergrund von Vordergrund, Erscheinung von Idee. Er legt die Teile getrennt vom Traum auf den Tisch und entdeckt Verwertbares: Anzüge, Flugzeuge, Fische, Augen, Münder, Meere, Messer, Orangen, Bananen, Hände…

Den Gehalt findet nur der, der etwas dazu zu tun hat:
Lutz Hirschmann nimmt Sprühkleber. Er fügt zusammen, was zusammen gehört und korrigiert Perspektiven. Großes wird klein und Kleines groß, Oben wird Unten und Unten Oben, Hintergründiges wird vordergründig und Vordergründiges hintergründig, Innen wird Außen und Außen Innen. Sprühend stellt er die Stimmigkeit von Umkehrungen fest und fixiert das Geklebte mit seiner Deutung.

Lutz Hirschmann lässt in seinen Collagen etwas durchblicken von der Tiefe dessen, was flach daher kommt und von dem Wert des Einzelnen, das im Tausendfachen vorhanden ist.
…und die Form ist ein Geheimnis den meisten.

* Maximen und Reflexionen, Nr. 339; Sammlung Dieterich, Band 149, 1953

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